17. Nov. 2020

Lerne Mizutamari Higashi kennen, den Illustrator von Pokémon: Zwielichtschwingen

Lies das erste in einer Reihe von Interviews mit dem Kreativteam, das hinter dieser außergewöhnlichen Zeichentrickserie steht.

Pokémon: Zwielichtschwingen, die jüngste limitierte Zeichentrickserie, bietet einen einzigartigen Einblick in das Leben der Menschen und Pokémon, die in der Galar-Region leben. Wir werfen einen genaueren Blick darauf und sprechen mit einigen der Köpfe hinter den Kulissen, um mehr darüber zu erfahren, was sie bei der Entwicklung der Serie inspiriert hat, die jetzt auf Pokémon-TV und auf dem offiziellen Pokémon-YouTube-Kanal zu sehen ist. Zum Auftakt dieser vierteiligen Interviewreihe tauchen wir mit dem Illustrator Mizutamari Higashi in die tiefe Welt der Konzeptkunst und Farbskripte ein.


F: Sie haben die Entwicklung der Konzeptkunst und Farbskripts für Pokémon: Zwielichtschwingen geleitet. Würden Sie uns zunächst erklären, was Konzeptkunst und Farbskripts genau sind und wie sie sich voneinander unterscheiden?

A: Konzeptkunst nennt man die Zeichnungen, die man erstellt, um den geistigen Bildern, die man beim Lesen – z. B. eines Skripts oder anderen Texts – sieht, konkrete Form zu geben. Ein Text kann bei jedem Menschen unterschiedliche geistige Bilder auslösen, aber durch die Konzeptkunst hat das gesamte Produktionsteam das Gleiche vor Augen und somit ein klares Ziel. Je besser also die Konzeptkunst, desto besser auch der fertige Film.

Farbskripts sind praktisch die Baupläne für die Kunst. Sie bestehen aus einer Serie von Zeichnungen, die zeigen, wie die Story auf dem Bildschirm erscheinen soll. Oft werden sie verwendet, um Farben oder Belichtung einer Szene vorzugeben, wie auch der Name schon sagt. Konzeptkunst und Farbskripts erfordern beide sowohl künstlerische Fähigkeiten als auch ein Verständnis für die Inszenierung einer Story. Beide verlangen viel Denkarbeit und sind schwierige, aber doch sehr lohnenswerte Herausforderungen!

F: Ihre Illustrationen haben einen unverwechselbaren warmen, irgendwie nostalgischen Touch. Welche Konzepte sind Ihnen bei Ihrer Illustrationsarbeit wichtig?

A: Vielen Dank! Vieles hängt vom Motiv ab, das ich gerade zeichne, aber im Allgemeinen versuche ich, eine stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen. Ich wollte immer, dass meine Zeichnungen die Gerüche oder das Gefühl des leichten Windes der Landschaft, in der ich aufwuchs, vermitteln, aber ich glaube, das habe ich noch nicht geschafft – davon abgesehen neige ich dazu, mich voll von den Anforderungen des jeweiligen Auftrags einnehmen zu lassen, und dann vergesse ich diesen grundlegenden Wunsch ... wenn Sie jedoch Nostalgie oder Wärme in meiner Arbeit spüren, ist es mir vielleicht doch ein wenig gelungen, das zu vermitteln, was ich wollte. Das macht mich sehr glücklich. Vielen Dank.

F: Kannten Sie Pokémon vorher? Hat Pokémon in Ihrem Leben auf irgendeine Weise bei Ihnen eine bleibende Erinnerung oder einen Eindruck hinterlassen? Wenn ja, erzählen Sie uns bitte darüber.

A: Natürlich kannte ich Pokémon. Eine französische Freundin von mir fragte mich mal: „Kennst du dieses Lied?“ und begann, eine Melodie zu summen, aber ich hatte keine Ahnung, welches Lied es war. Sie sagte: „Also, das ist doch das Pokémon-Titellied!“. Aber die Melodie war nicht die von „Mezase Pokémon Master“ („Werde Pokémon-Meister“, das erste Titellied von Pokémon – Die TV-Serie in Japan). Da wurde mir klar, dass die Serie unterschiedliche Titellieder in unterschiedlichen Ländern hat! Aber wir alle liebten Pokémon gleich viel, egal in welchem Land wir waren, und ich erinnere mich, dass ich irgendwie stolz war, als meine Freundin mir sagte, dass sie auch mit Pokémon im Fernsehen aufgewachsen war.

F: Ich nehme an, dass Sie auch Konzeptkunst für Elemente entwickeln mussten, die nicht in den Spielen vorkommen. Was ging Ihnen bei diesem Prozess durch den Kopf?

A: Da es schon eine bezaubernde Story gab, konzentrierte ich mich darauf, die Darstellungen und Designs zu finden, die diese Story am besten zur Geltung bringen würden. Ich glaube, ich konnte das recht entspannt angehen, weil ich bereits eine Story und Regiepläne hatte, die Sinn machten. Ich hatte das große Glück, an etwas unter dem Titel Pokémon und mit diesem Team arbeiten zu dürfen.

F: In einem Bild der Konzeptkunst für Zwielichtschwingen sehen wir eine Stadtlandschaft in Galar und John und Tommy im Gespräch. Können Sie uns etwas über die Konzepte oder Themen sagen, die dabei zum Tragen kamen?

A: Beim Erstellen von Konzeptkunst finde ich es äußerst wichtig, dass das Bild die Essenz der Geschichte einfängt. Da John und Tommy in Zwielichtschwingen zum ersten Mal vorkommen, fand ich sie besonders wichtig. Als ich sie zeichnete, hoffte ich, diese Story über diese Kinder im Krankenhaus zu übermitteln – wie weit sie gehen, wie weit sie fliegen könnten.

F: Bilder aus den Farbskripts erscheinen auch im Nachspann der Folgen von Zwielichtschwingen. Könnten Sie uns sagen, ob Sie eins dieser Bilder besonders mögen – und wenn ja, welches?

A: Es freut mich sehr, dass sie sogar im Nachspann benutzt wurden! Ich glaube, welches mir am meisten gefällt, ist das Bild aus Folge 4 mit Kate und Milotic im Sprung. Ich finde, ich habe damit wirklich Kate zelebrieren können. Ich hoffe immer, Charaktere so zu zeichnen, dass sie zelebriert oder gestärkt werden.

F: Gibt es irgendwelche, leicht zu übersehende Details im Abspann, auf die Sie Zuschauer hinweisen möchten, oder Anekdoten über den Produktionsprozess, die einen Blick hinter die Kulissen gewähren?

A: Für das Bild aus Folge 4, wo Kate im Warteraum sitzt, wollte ich eine gedrückte Atmosphäre schaffen, um Kates Niedergeschlagenheit zu vermitteln. Dafür schöpfte ich Inspiration aus einem gewissen Zeichentrickfilm, der zwar eine schwere Thematik hat, aber sich in Japans Geschichte einen Platz verdient hat.

F: Können Sie uns etwas über bevorstehende Highlights erzählen, auf die Sie sich freuen?

A: Ich bin natürlich sehr gespannt, all die bekannten und beliebten Charaktere zu sehen, aber ganz besonders freue ich mich darauf, mehr über die neuen Charaktere von Zwielichtschwingen, John und Tommy, zu erfahren und zu sehen, wo ihre Reise noch hinführt!

F: Gibt es irgendetwas, das Sie zum Abschluss noch den Fans von Zwielichtschwingen und von Pokémon allgemein sagen möchten?

A: Ich bin wirklich dankbar für das Glück, an diesem Film mitarbeiten zu dürfen. Wie auch andere bekannte Werke hat die Story von Zwielichtschwingen viele verschiedene Bedeutungsebenen, die Regisseur (Shingo) Yamashita eingewoben hat. Ich glaube, man kann die Folgen einmal sehen und sich am Zeichentrick freuen, und dann beim zweiten und dritten Betrachten tiefer in die Ebenen der Story eintauchen, sodass ich mir wünsche, dass sich alle Zwielichtschwingen mehrfach anschauen und so tief wie gewünscht erleben. Vielen Dank!


Über Mizutamari Higashi
Mizutamari Higashi ist eine Illustratorin, Konzeptkünstlerin und Cartoonistin, die Konzeptkunst und Farbskripts für viele Werbespots und Musikvideos entwickelt.


Denke daran, dass du dir alle sieben Folgen von Pokémon: Zwielichtschwingen sowie die neue besondere Folge Pokémon: Zwielichtschwingen – Die Zusammenkunft der Stars auf Pokémon-TV ansehen kannst – hier auf Pokemon.de oder der Pokémon-TV-App – oder auf dem offiziellen Pokémon-YouTube-Kanal.

Lies unbedingt alle unsere Interviews mit dem Kreativteam von Pokémon: Zwielichtschwingen!


Interview zu Pokémon:
Zwielicht­schwingen
(Teil 2): Sou Kinoshita, Drehbuchautor

Interview zu Pokémon:
Zwielicht­schwingen
(Teil 3): Conisch, Komponist

Interview zu Pokémon:
Zwielicht­schwingen
(Teil 4): Shingo Yamashita, Regisseur, und Yo Watanabe, Regieassistent

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